Kommentar #10207

Ziemlich oberflächlich! Hamlet ist ein humanistisch geprägter Mensch, der die Lehre Melanchtons kennen mag oder Montaignes skeptische Essays liest. Er ist auch nicht unbedingt zögerlicher Natur. Mit Polonius' Leiche geht er nicht zögerlich um, auch mit seiner Mutter nicht. Hamlet ist eben eine ambivalente Figur, die auch kalt und grausam sein kann... so sagt ja auch Goethe in seiner Rede "Zum Shäkespeares Tag": Nichts so Natur wie Shakespeares Menschen! Hamlet leidet aber - das macht ihn sympathisch. Er leidet an sich selbst, mehr aber an der Unfähigkeit, seine Ideale zu verraten. Er weiß, dass er als König, der den Humanitas-Gedanken hoch hält, friedliebend, gerecht sein wollte, dass er die Freiheit des Individuums schätzen und auch die Demokratie akzeptieren könnte, aber in der politischen Realität des Hofes sieht er Intrigen, Scheinheiligkeit und archaischen Ehrenkodex, der in der Akzeptanz von Blutrache (sogar der Forderung) besteht. Dies macht ihn zu einem Menschen, der verzweifelt an der Unvereinbarkeit von Theorie (christliche Moral/ humanistische Ethik) und Praxis.
So seh ik dat.
Freak (Gast) #
Abgegeben zum Artikel/Ordner "Charakterisierungen und Personenkonstellation" (Thema: Hamlet)
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