Inhaltsangabe (Thema: Der Prozess)

Inhaltsangabe zu "Der Prozess" von Franz Kafka

1. Vorabinformation


Andere Schreibweisen oder Verschreiber von „Der Prozess” sind: „Der Process”, „Der Prozeß” und „Der Proceß”


2. Inhaltsangabe

Auch: Zusammenfassung, Inhalt

Eines Morgens wird Josef K. verhaftet. Einfach so. Anstatt seines Frühstücks begrüßt ihn bereits am Bett eine von zwei Wachen. Bald kommt auch noch ein Aufseher hinzu – und die Nachbarn schauen auch schon neugierig. Hilflos muss Josef feststellen, wie seine Wohnung geradezu belagert wird. „Warum?” – Diese Frage wird ihm nicht beantwortet. Er erfährt nicht, was er getan haben soll. Er erfährt auch kaum, wer eigentlich die Wachen sind und in wessen Auftrag sie handeln. Von den Gesetzen, die sie zitieren, hat er noch nie etwas gehört. Alles wirkt erschreckend verwirrend, fast als wäre er gar nicht aufgewacht und stattdessen gefangen in einem Alptraum.

Zitat: Kapitel: Verhaftung
Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne das jemand etwas Böses geahnt hätte wurde er eines Morgens verhaftet.

Kurz darauf verlassen die Beamten wieder seine Wohnung. Er sei zwar verhaftet, werde aber nicht eingesperrt, da keine Fluchtgefahr bestehe. Josef könne sein Leben genauso wie eh und je weiterleben. „Freundlicherweise” hat man sogar drei seiner Mitarbeiter geholt mit denen er sogleich zur Bank gehen solle, damit seine Verspätung nicht mehr so auffällig sei. Das ganze muss wohl ein schlechter Scherz sein, glaubt er. Irgendwie kann er die Verhaftung nicht ernst nehmen. Trotzdem denkt er einmal flüchtig an Selbstmord, während die Beamten noch in seiner Wohnung sind, stuft diesen Gedanken aber als sinnlos ein und schreitet daher nicht zur Tat. Fühlt er sich für etwas schuldig? Hat er vielleicht doch etwas zu verbergen?

Nach der Arbeit kehrt er wieder zurück zur Pension ist, wo er auch seine Wohnung hat und entschuldigt sich zunächst bei der Vermieterin für die Umstände, die seine „Verhaftung” gemacht hat. Gleiches will er im Gespräch mit seiner Nachbarin, Fräulein Bürstner, tun. Da diese aber noch nicht da ist, wartet er bis sie schließlich kommt und fängt sie bereits im Flur ab. Sie reden etwas miteinander, gehen in ihre Wohnung, bleiben dabei aber immer leise, da im Nebenzimmer ein Bekannter von Frau Bürstner zur Miete wohnt und offenbar mithört. Am Ende der Unterhaltung küsst Josef K. sie mehrmals auf den Mund, aufs Gesicht und auf den Hals. Er fühlt sich dabei wie ein Tier, das mit großem Durst endlich auf etwas Wasser trifft.

Am nächsten Sonntag kommt dann der Anruf: Er solle vor Gericht erscheinen. Ärgerlich. Ausgerechnet für diesen Tag hatte er einen für seine Karriere wichtigen Termin mit dem Direktor-Stellvertreter ausgemacht. Jetzt muss er absagen.
Zwar hat man ihm nicht gesagt, wann er kommen soll, jedoch ahnt er, dass es um neun Uhr herum sein muss. Also zieht er los zum angegebenen Ort. Sonderlich viel findet er dort aber nicht. Es ist ein Armenviertel, das Haus heruntergekommen. Mehr als eine Stunde braucht er, bis er schließlich das Gericht gefunden hat – es befindet sich irgendwo im 5. Stockwerk. Ausgeschildert ist es nicht.

Man wirft ihm sein Zuspätkommen vor, gibt ihm aber dennoch die Möglichkeit, sich zu verteidigen. Wogegen er sich denn verteidigen soll – darüber klärt man ihn natürlich wieder nicht auf. Auch die Identitäten der anwesenden Leute und des Richters werden nicht geklärt. Josef K. hält eine lange, aggressive Rede. Er sei unschuldig, die Wachen korrupt. Es hilft nicht wirklich, beim Herausgehen sieht er, dass alle Zuhörer an ihrem Kragen ähnliche Abzeichen tragen. Er vermutet, dass sie Beamte sind. Aber wozu braucht man einen ganzen Saal voller Beamter, wenn man gegen ihn einen Prozess führt?
Der Richter klärt ihn darüber auf, dass seine Rede nicht wirklich hilfreich für den Prozess sei, dass er seine Chance vertan habe. Josef K. hört kaum mehr zu. Unter Flüchen verlässt er den Saal.

Danach erhält er keine weiteren Vorladungen mehr. Trotzdem geht er am nächsten Sonntag wieder zum Gericht, in der Erwartung, dass die Verhandlungen fortgeführt werden. Dort angekommen trifft er aber nur auf die Frau des Gerichtsdieners. Sie hat offenbar gute Kontakte zu den Beamten und verspricht, ihm etwas zu helfen. Sie erzählt auch davon, dass sich der Untersuchungsrichter lange mit dem Bericht über Josef K.s Anhörung beschäftigt habe. Die Frau umwirbt daraufhin Josef, bittet ihn darum, mit ihr wegzugehen, was er als sehr verlockend empfindet. Als ein Student erscheint, mit dem sie offensichtlich bereits eine Affäre hat, ändert sie ihre Meinung jedoch schlagartig, was Josef als „erste (..) Niederlage” empfindet.

Er geht anschließend durch die Kanzleien, die sich auf dem Dachboden befinden und trifft dort auf weitere Angeklagte, wechselt aber nur wenige Worte mit diesen. Nach einiger Zeit wird ihm außerordentlich schlecht und nur mit der Hilfe eines Gerichtsdieners und einer Frau schafft er es noch aus dem Gebäude heraus. Draußen verbessert sich sein Zustand schlagartig. Trotzdem ist er überzeugt davon, dass der Prozess ihm noch nicht zusetze. Das müssten körperliche Beschwerden sein. Psychologisch ginge es ihm perfekt!

An einem der nächsten Abende will Josef K. gerade die Bank verlassen, da hört er aus einer Rumpelkammer merkwürdige Geräusche. Er blickt hinein und sieht eine bizarre Szene: Ein Mann ist kurz davor, die beiden Wachen, die ganz am Anfang in Josefs Wohnung waren und ihm seine „Verhaftung” verkündeten, auszupeitschen. Man tue dies, da Josef diese bei der Gerichtsverhandlung denunziert habe (sie hätten – und haben – seine Wäsche geklaut). Die Wachen betteln darum, dass er ihnen helfen solle. Die Bestrafung sei nicht fair, alle Wachen würden Wäsche klauen, das sei so Tradition. Dass Josef sie angezeigt habe sei nun ein schwerer Schlag für ihre Karrieren. Sie hätten die Chance gehabt, aufzusteigen, vielleicht sogar selbst Prügler zu werden (so nennt man den Mann mit der Peitsche).
Josef fühlt sich schuldig und versucht einzugreifen. Er gesteht, so etwas nicht gewollt zu haben und zückt seine Brieftasche, um den Prügler zu bestechen. Dann fällt der erste Peitschenhieb und ein Schrei geht durch die Bank. Jetzt muss sich Josef von der Rumpelkammer entfernen, um keinen Verdacht auf sich zu lenken. Den herbeigekommenen Bediensteten erzählt er, dass sie nur das Gejaule eines Hund gehört hätten.

Am nächsten Abend ist Josef wieder lange in der Bank. Sobald er das Gebäude verlassen will kommt er noch einmal an der Rumpelkammer vorbei, macht gedankenverloren die Tür auf und – sieht wieder die nahezu gleiche Szene. Die beiden Wachen kauern nackt in einer Ecke, in der anderen steht der Prügler mit der Peitsche. Diesmal kommen die Wachen aber nur dazu, Josef kurz mit „Herr” anzusprechen, bevor dieser kurzentschlossen die Tür zuknallt. Das will er sich nicht noch einmal antun.

In der Zwischenzeit hat Josefs Onkel Karl vom Prozess erfahren, offenbar von einer „Erna”, deren Beziehung zu Josef aber eher flüchtig angesprochen wird. Der Onkel besucht ihn in der Bank und sobald er erfährt, dass es sich um einen „Strafprozess” handelt, reagiert er völlig aufgelöst. Geradezu fassungslos macht ihn, dass Josef bei der ganzen Sache – zumindest äußerlich – ruhig zu bleiben scheint. Er selbst schätzt einen „Strafprozess” anscheinend als eine äußerst ernste Sache ein. Als eine, die dem Betreffenden den Kopf und die Familie die Ehre kosten kann. Was man Josef K. aber überhaupt vorwirft, danach fragt er nicht. Vielleicht auch besser so, denn Josef kennt noch immer nicht seine angebliche Schuld.

Der Onkel fährt sogleich mit Josef zu einem alten Schulkollegen, dem Advokaten Huld. Dort angekommen muss der Onkel entsetzt erfahren, dass sein Freund krank sei und derzeit im Bett liege. Trotzdem kommt es zu einem Gespräch und der Advokat stimmt zu, Josefs Fall zu übernehmen. Er habe gute Kontakte zum Gericht, die beim Prozess helfen könnten. Bei der Gelegenheit verweist er auch auf den Kanzleidirektor, der bis dahin still und leise in einer dunklen Ecke des Raumes saß, von Josef und dem Onkel unbemerkt. Nur zaghaft kommt dieser hervor, verweist darauf, dass er bald gehen muss und übernimmt dann sogleich die Gesprächsinitiative. Schnell hat Josef den Eindruck, dass der Kanzleidirektor ihn ignoriert; möglicherweise mit Absicht, um Josef nicht helfen zu müssen.

Sie reden wieder miteinander. Plötzlich wird das Gespräch von einem klirrenden Geräusch unterbrochen. Ist da etwas heruntergefallen? Josef K. geht in den Nebenraum, um nachzusehen, was passiert ist. Leni, die sehr junge Pflegerin des Advokaten, schließt hinter ihm die Tür. Sie erklärt, dass sie absichtlich einen Teller gegen die Wand geschmissen hat, um ihn aus dem Zimmer zu locken. Schon als er die Wohnung betreten habe sei ihr aufgefallen, wie intensiv er sie angesehen hat.
Die beiden reden etwas miteinander, vor allem über den Prozess und das Gericht. Offensichtlich hat Leni gute Kontakte und könnte Josef helfen. Dabei kommt sie ihm immer näher, bis sie schließlich auf seinem Schoß sitzt.
Er zeigt ihr ein Foto von seiner Geliebten „Elsa” und erzählt Leni von ihr. Es dauert nicht lang, da beginnt Leni damit, ihn wild zu küssen und zerrt ihn schließlich auf den Boden. Es kommt zum sexuellen Kontakt.

Die Auswirkungen des Prozesses auf Josef werden mit der Zeit immer deutlicher. Er leidet an ständiger Müdigkeit und Konzentrationsmangel, die der Direktor-Stellvertreter (sein Konkurrent bei der Arbeit) gewissenhaft ausnutzt, um Josef Arbeit wegzunehmen und so seine eigene Karriere zu fördern. Gleichzeitig steigt Josefs Enttäuschung über den Advokaten Huld immer mehr an. Mehrere Sitzungen hat er bereits mit ihm abgehalten, doch ist nie wirklich etwas dabei rumgekommen. Immer redet der Advokat nur von seinen angeblich so wichtigen Kontakten zu irgendwelchen niedrig gestellten Beamten, von den vielen Prozessen, die er schon geführt habe und von der so unglaublich wichtigen ersten Einreichung bei Gericht, an der offenbar beständig gearbeitet wird, die aber dennoch nie fertig zu werden scheint. Außerdem wundert es Josef, dass er vom Advokaten nie Fragen bezüglich seiner Schuld gestellt bekommt, sich aber dafür jede Menge moralische Vorträge anhören muss.

Irgendwann beschließt er, selbst die Initiative zu ergreifen. Durch Zufall erfährt er von einem Gerichtsmaler namens „Titorelli” und besucht diesen. Der Maler meint, dass man dem Gericht nicht einfach entkommen könne. Wenn es erst einmal von der Schuld eines Angeklagten überzeugt sei, dann sei auch das Urteil schon praktisch gefällt. Man könne aber dagegen vorgehen, indem man einen „scheinbaren Freispruch” erwirkt. Der Maler habe ein Musterschreiben für solch einen Freispruch, er müsse dann allerdings noch für Josefs Unschuld bürgen – und das wäre ziemlich viel verlangt.
Die zweite Chance wäre, den Prozess zu verschleppen. Man solle also dafür zu sorgen, dass dieser so lange wie nur irgend möglich andauert, denn so lange der Prozess andauert, kann logischerweise auch kein Urteil gefällt werden. Das würde aber dann natürlich auch dauerhafte Anstrengungen bedeuten, über Jahre und Jahrzehnte hinweg.
Josef muss das erstmal verdauen. Wirklich gut sieht es schließlich nicht aus. Er setzt sich hin und zieht seinen Rock aus, was sogleich von Gekreische einiger Mädchen gestört wird, die aufgeregt durch einen Schlitz in der Tür schauen und glauben, dass der Maler ein Ganzkörperbild von Josef anfertigen will.
Nach einiger Zeit wird Josef wieder sichtlich unwohler. Er verlässt hastig das Atelier und das Gebäude.

An einem der nächsten Tage fällt er schlussendlich die Entscheidung, Advokat Huld nicht mehr als seinen Anwalt zu beschäftigen. Bei einem Treffen mit ihm lernt er einen weiteren Mandanten, Kaufmann Block, kennen. Auch dieser ist offenbar von einem Prozess betroffen. Sobald Herr Huld von Josef K.s Entscheidung hört ist er völlig aufgebracht. Er erniedrigt den hilflosen Herrn Block, nur um K. zu demonstrieren, was ihm noch alles blühen könnte – natürlich ohne die guten Kontakte seines bisherigen Anwalts. Josef K. lässt sich aber nicht umstimmen. Er bleibt bei seiner Entscheidung und verlässt das Haus.

An einem der folgenden Tage wird Josef angewiesen, einem wichtigen italienischen Kunden seines Arbeitgebers einige Sehenswürdigkeiten der Stadt zu zeigen. Der Treffpunkt sei der Dom. Im Kirchengebäude angekommen trifft er allerdings nicht auf einen Kunden, stattdessen erwartet ihn ein Gefängniskaplan (Priester), also offensichtlich ein weiterer Staatsbediensteter. Der Mann erzählt Josef K. die Parabel „Vor dem Gesetz” (auch bezeichnet als „Türhüterlegende”). Diese handelt – grob – von einem Mann vom Lande, der unbedingt „Zugang zum Gesetz” haben will. Um diesen Zugang zu erlangen, muss er allerdings durch eine Tür, welche von einem Türhüter versperrt wird. Der Türhüter weigert sich, den Mann durchzulassen. Gleichzeitig spekuliert er aber auch, dass er ihm vielleicht einmal den Zugang gewähren könnte. So wartet der Mann vor der Tür bis er schließlich stirbt. Vorher erfährt er aber noch, dass die Tür einzig für ihn gedacht war.

Josef K. und der Kaplan diskutieren anschließend die möglichen Bedeutungen der Parabel (Exegese). Dabei stellt gerade der Priester immer wieder mögliche Bedeutungen auf, nur um diese anschließend wieder zu verwerfen. Man bekommt den Eindruck, dass er Josef K. eher verwirren als aufklären will. Dazu passt auch seine Aussage:
Zitat: Kaplan
Richtiges Auffassen einer Sache und Missverstehen der gleichen Sache schließen einander nicht vollständig aus.
Josef will anschließend gehen, verliert im dunklen Dom aber die Orientierung. Erst mit Hilfe des Kaplans findet er wieder hinaus. Als wäre die Verwirrung durch die Parabel noch nicht genug, sagt der Geistliche allerdings noch kurz bevor Josef durch die Tür geht:
Zitat: Kaplan
Das Gericht will nichts von dir. Es nimmt dich auf, wenn du kommst und es entläßt dich, wenn du gehst.

Es ist nun fast ein Jahr her, dass die Wachen überraschend in Josefs Wohnung standen und ihm seinen Prozess verkündeten. Wieder ist der Schauplatz K.s Wohnung. Diesmal aber ist er ganz in schwarz gekleidet. Diesmal erwartet er die Männer bereits. Das Urteil wurde gesprochen, sein Prozess ist beendet.
Kurz überlegt er, ob er Widerstand leisten sollte. Er tut es nicht. Resignierend ergibt er sich seinem Schicksal und geht geradezu entschlossen voraus. Die beiden Männer fahren ihn zu einem abgelegenen Steinbruch.
Eigentlich wäre es seine Aufgabe das zu erledigen, denkt er sich. Überwinden könnte er sich aber nicht dazu. Die beiden Männer rammen ihm ein Fleischermesser in den Bauch. „Wie ein Hund” stirbt Josef K., elendig verblutend.

Kommentare (1)

Von neu nach alt
Sehr gute Zusammenfassung und hilfreiche Deutungen !
Melle (Gast) #