Charakterisierungen und Personenkonstellation (Thema: Die Verwandlung)

Charakterisierungen zu "Die Verwandlung" von Franz Kafka, mit Personenkonstellation

1. Personen

Auch: Charakterisierungen, Charakterisierung, Charakteristika, Charakteristik, Merkmale


1.1. Personenkonstellation

Auch: Figurenkonstellation

Gregor Samsa ist die Hauptperson in „Die Verwandlung”. Er steht zu den anderen Personen in folgenden Beziehungen:

  • Zum Vater: Der Vater ist ihm überlegen. Gregor wird zunächst von ihm (finanziell) ausgenutzt, nach der Verwandlung hackt der Vater auf ihm rum und grenzt ihn aus. Gregor nimmt es ihm allerdings nicht übel. Zum Teil schämt sich der Vater auch für Gregor (zu sehen an seinem Verhalten gegenüber den Untermietern).
    Die Beziehung zwischen Gregor und seinem Vater erinnert stark an die Beziehung zwischen Kafka und dessen Vater.
  • Zur Schwester: Das Verhältnis ist zunächst fürsorglich. Vor der Verwandlung finanziert Gregor ihr ein angenehmes Leben und will sie auf das Konservatorium schicken (Auflehnung gegen den Vater, da nicht mit diesem abgesprochen). Nach der Verwandlung sorgt sich seine Schwester als einzige um ihn. Erst am Ende der Erzählung ändert sich das Verhältnis und die Schwester ist die erste, die ausspricht, dass Gregor weg muss. Von der Alliierten wird sie zu seiner gefährlichsten Feindin.
  • Zur Mutter: Die Mutter versteht Gregor vor der Verwandlung nicht. Obwohl Gregor seine Arbeit hasst ist seine Mutter davon überzeugt, dass er diese liebt. Nach der Verwandlung sorgt sie sich zwar um ihn, setzt sich aber gleichzeitig auch nur halbherzig für ihn ein und wird in kritischen Situationen immer ohnmächtig. Sie hat möglicherweise gute Intentionen, ist aber viel zu schwach um irgendeine Hilfe zu sein.
  • Zum Prokurist: Der Prokurist ist Gregors Vorgesetzter. Durch ihn wird Gregor beständig kontrolliert und drangsaliert. Gregor hasst ihn.
  • Zu den Untermietern: Gregor steht in keinem besonderen Verhältnis zu diesen. Nur einmal sehen sie ihn, beschweren sich allerdings mehr über die hygienischen Verhältnisse als über Gregor selbst.

Außerdem existieren die nachfolgenden Beziehungen:

  • Vater ↔ Mutter: Der Vater kontrolliert größtenteils die Mutter (patriarchalisch) bzw. die Mutter ist ihm klar unterlegen. Die Kontrolle nimmt mit der Zeit zu.
  • Vater ↔ Prokurist: Der Vater verhält sich gegenüber dem Prokuristen unterwürfig. Der Vater ist dem Prokuristen also unterlegen.
  • Vater ↔ Untermieter: Der Vater ist den Untermietern unterlegen, da diese Geld einbringen und jederzeit kündigen können.
  • Gregor ↔ gesamte Familie: Vor der Verwandlung ist Gregor der Versorger der Familie. Dennoch ist das Verhältnis nicht wirklich herzlich. Nach der Verwandlung wird Gregor zum „Klotz am Bein”. Er wird lästig und soll weg.
  • Vater ↔ Mutter ↔ Tochter: Nach der Verwandlung Gregors wird die Familie langsam „normaler”. Die Tochter entwickelt Selbstständigkeit und wird erwachsen, die Eltern gewinnen ihre finanzielle Unabhängigkeit zurück.
  • Gregor ↔ Schwester vs. Vater ↔ Mutter: Nach der Verwandlung entwickeln sich zunächst zwei Pole: Die Schwester orientiert sich an Gregor, die Mutter am Vater. Erst später wechselt die Schwester vollständig zur Gruppe von Vater und Mutter über.


1.2. Charakterisierung Gregor Samsa


Gregor Samsa ist die Hauptperson in „Die Verwandlung”. Er ist vermutlich zwischen 20 und 30 Jahre alt und arbeitet als reisender Tuchhändler. Diesen Job hat er angenommen, da sein Vater mit einer Geschäftsidee pleite gegangen ist und hohe Schulden angehäuft hat. Nach der Pleite hat sein Vater keine neue Arbeitsstelle angenommen und auch Mutter und Schwester sind nicht erwerbstätig. Daher liegt es nun in Gregors Händen, die Familie alleine durchzubringen.

Die Arbeit als Tuchhändler missfällt Gregor. Zum einen kann er seinen Vorgesetzten nicht ausstehen, zum anderen empfindet er den Kontakt mit anderen Menschen während der Arbeit als kalt – es entsteht einfach keine zwischenmenschliche Nähe. Sehr problematisch ist auch, dass die Arbeit nahezu seine gesamte Zeit in Anspruch nimmt. Dadurch kann er weder Freundschaft knüpfen, noch eine Partnerin finden, obwohl er durchaus Interesse an einer Partnerschaft hätte, wie ein Bild von einer Frau mit Pelzmantel in seinem Zimmer verrät. Das bisschen Zeit was ihm neben der Arbeit bleibt verwendet er für kleinere Laubsägearbeiten, sein Hobby.

Dennoch akzeptiert er seine Aufgabe, die Familie zu ernähren. Er arbeitet fleißig und ist immer pünktlich bei der Arbeit. Innerhalb von mehreren Jahren fehlt er kein einziges Mal. Er ist fürsorglich und altruistisch (Gegenteil von egoistisch). Er besitzt ein hohes Verantwortungsbewusstsein, was man beim Vater nicht erkennen kann. Gleichzeitig wirkt er aber auch geradezu naiv und vor allem schwach. Er bemerkt nicht, dass man ihn nur ausnutzt und die anderen Familienmitglieder ohne Probleme arbeiten gehen könnten. Er behält auch nicht die Kontrolle über das eingenommene Geld. Dieses wird einfach an den arbeitslosen Vater weitergegeben.

Gerade im Verhältnis zu seinem Vater wird seine Schwäche deutlich. Zwar wird diese Beziehung erst nach Gregors Verwandlung dargestellt, allerdings kann man am Verhalten der beiden Personen erkennen, dass der Vater sehr wahrscheinlich bereits vor der Verwandlung äußerst streng mit Gregor umging. Schläge und andere erzieherische Maßnahmen sind zu vermuten, wie es in dieser Zeit – insbesondere für patriarchalische Väter – durchaus üblich war. Dementsprechend kann man Gregors Verhalten als Käfer häufig auch als vorauseilenden Gehorsam bezeichnen. Er ist devot, während sein Vater dominant ist. Hervorstechend ist hier die erste Begegnung zwischen Gregor als Käfer und dem Vater. Der Vater drängt hier Gregor zunächst zurück zur Tür seines Zimmers, wo Gregor stecken bleibt. Der Vater verpasst ihm einen Tritt und Gregor rutscht blutend ins Zimmer hinein. Anstatt zu fluchen bedankt er sich aber in Gedanken bei seinem Vater. Hat er vielleicht bereits als Kind gelernt, dass Protest gegen Ungerechtigkeiten nur zu noch mehr Prügel führt? Hat er deshalb eine unterbewusste, panische Angst vor dem Vater, die zu einer bedingungslosen Anpassung an dessen Wünsche führt? Man kann es nicht genau sagen, wenngleich aber vermuten.

Gerade diese negative Beziehung zum Vater ist eine wichtige Parallele zwischen Gregor Samsa und Franz Kafka. Auch Kafka stand Zeit seines Leben in einem äußerst schlechtem Verhältnis zu seinem Vater. Nie konnte er dessen Erziehungsmethoden akzeptieren. Stets wurde er drangsaliert und gerade in elementare Entscheidungen seines Lebens (Berufswahl, Partnerwahl) hat sich der Vater eingemischt. Auch Gregor muss offensichtlich Schläge seines Vaters akzeptieren und wird in Berufs- und Partnerwahl durch seine Eltern beeinflusst. Im Gegensatz zu Kafka kommt diese Beeinflussung aber eher indirekt zu Stande (er muss wegen der Schulden den Beruf akzeptieren und kann wegen des Berufes keine Beziehung eingehen). Genauso wie Gregor muss sich auch Kafka häufig in seiner Familie wie ein ausgegrenzter, wie Ungeziefer vorgekommen sein und genauso wie Gregor so hatte auch Kafka immer das Gefühl, der Familie etwas schuldig zu sein, ohne diese Schuld jemals wirklich begleichen zu können. In beiden Fällen war das Verhältnis zwischen Eltern und Sohn selbst in friedlichen Zeiten kühl. So beklagt Gregor Samsa, dass trotz des Geldeinbringens keine rechte Wärme zu ihm entstehen will und so hatte Franz Kafka immer das Gefühl, dass die Eltern seine (nicht-materiellen) Wünsche und Gefühle ignorieren.
Es lässt sich weiterhin als Parallele zu Kafka erkennen, dass das Alter beider Personen ähnlich ist („Die Verwandlung” hat Kafka im Alter von 29 Jahren geschrieben) und dass beide – Gregor und Franz – jeweils das älteste Kind der Familie sind. Sowohl Gregor als auch Franz haben eine zunächst gute Beziehung zur jüngsten Schwester (bei Gregor existiert allerdings nur eine). Diese Beziehung kippt allerdings jeweils plötzlich: Die Schwestern schlagen sich auf die Seite des verhassten Vaters und verletzen mit diesem „Verrat” ihre jeweiligen Brüder schwer (Kafkas Beziehung zu seiner jüngsten Schwester bleibt allerdings nur kurz getrübt und normalisiert sich kurz darauf wieder).

Gegen Ende des Buches stirbt Gregor schließlich. Kurz vorher hat der Vater mit einem Apfel nach ihm geschmissen, welcher seinen Panzer durchschlagen und in seinem Rücken steckengeblieben ist. Der Apfel verfaulte daraufhin langsam und schwächte Gregor (Symbolik: Das aggressive/brutale Verhalten des Vaters verletzt sein Inneres, die Wunden verheilen aber nicht mit der Zeit, sondern werden eher schlimmer). Nach der Schwächung stellt der „Verrat” der Schwester und damit die Zurückweisung durch diese den Todesstoß dar. Er verliert seine letzte Verbündete und damit den Rückhalt in seiner Familie. Er wird nutzlos, er ist allein.
Gregor stirbt mit „leeren” Gedanken. Erst nach seinem Tod kann der Rest der Familie einen idyllischen Ausflug in geradezu euphorischer und aufbrechender Stimmung unternehmen. Die Familie ist wieder funktionstüchtig, wenngleich auch nun ein ehemaliges Mitglied fehlt.
Ein angemessenes Maß an Selbstständigkeit und Normalität war in der Familie vor Gregors Verwandlung nicht gegeben. Erst seine Verwandlung hat den Anstoß zu einer Normalisierung gegeben, die dann durch seinen Tod vollendet wurde. Hat Kafka hier möglicherweise Suizidgedanken versteckt oder versucht, diese zu verarbeiten? Es ist nichts unbekanntes, dass er zu dieser Zeit daran dachte, sich umzubringen. Vielleicht hat er hier angedeutet, dass er – das gefühlte „Ungeziefer” in der Familie – am besten sterben sollte, um den anderen das Leben zu erleichtern.


1.3. Charakterisierung Vater


Das Alter des Vaters ist auf über 40 Jahre zu schätzen. Vor einiger Zeit ist er mit einer Geschäftsidee pleite gegangen und hat dadurch hohe Schulden angehäuft. Seitdem hat er nicht mehr die Rolle des Versorgers in der Familie inne. Er ist seit dem Konkurs körperlich schwächer geworden, wobei es aber auch gut möglich ist, dass er diese körperliche Schwäche nur vorspielt, um sich keinen neuen Arbeitsplatz suchen zu müssen.

Seit er kein Geld mehr nach Hause bringt hat Gregor, sein Sohn, die Rolle des Versorgers übernommen. Ob dies Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein des Vaters hat ist nicht mit Sicherheit klärbar, wenngleich sein aggressives Verhalten gegenüber Gregor nach dessen Verwandlung darauf hinweist. Allem Anschein nach hat der Vater allerdings die Kontrolle in der Familie behalten, obwohl er keinen Beruf mehr ausübt. Er ist derjenige, der die Finanzen überwacht und er legt auch ohne Gregors Mitwissen Ersparnisse an, obwohl noch immer die Schulden vorhanden sind, die Gregor zum arbeiten zwingen. Diese Schulden könnten schneller abgetragen werden, wenn der Vater keine Ersparnisse anlegen würde bzw. angelegt hätte. Dadurch könnte Gregor dann auch den verhassten Beruf aufgeben und zu einem anderen wechseln, der ihm mehr liegt. Offenbar liegt dem Vater aber nichts daran. Gregor soll das Geld einbringen – ob dieser seinen Job mag oder nicht ist ihm egal. Ein gewisses Maß an Egoismus ist daher beim Vater nur allzu deutlich zu erkennen.

Nach der Verwandlung Gregors ändert er sein Verhalten. Auf einmal verschwindet seine körperliche Schwäche und er kann plötzlich wieder arbeiten gehen. Stolz trägt er auch Zuhause seine Uniform, die seine wiedergewonnene Rolle als Versorger unterstreicht. Spätestens jetzt wird auch seine patriarchalische Art wieder deutlich, die vorher weitestgehend versteckt war, und man erfährt von den heimlich angelegten Ersparnissen.

Nach Gregors Verwandlung zeigt der Vater keinerlei Respekt gegenüber seinem Sohn, der bisher aufopferungsvoll die Familie durchgebracht hat. Bereits am ersten Tag als Insekt geht der Vater brutal gegen Gregor vor. Er schlägt, tritt und verletzt ihn, nur damit Gregor zurück in sein Zimmer geht. Von den Problemen Gregors will er nichts wissen. Sein Sohn kann kein Geld mehr einbringen – damit ist dieser nutzlos geworden. Zudem ist Gregors Aussehen eine Peinlichkeit gegenüber dem Prokuristen und muss daher unbedingt versteckt werden.
Später ist es der Vater, der mit einem Apfel nach Gregor wirft. Dieser Apfel durchschlägt Gregors Panzer, bleibt in seinem Rücken stecken, verfault dort und trägt letztlich zu seinem Tod bei.

Als einziges Familienmitglied bleibt der Name des Vaters unbekannt, was die Distanz zwischen Leser und Vater zusätzlich erhöht.
Auffällig sind auch die Parallelen zwischen dem Gregors Vater und Kafkas Vater. Beide Väter haben sich patriarchalisch verhalten, waren ignorant gegenüber den Gefühlen ihrer Söhne und haben starken Einfluss auf deren Berufswahl gehabt. Zusätzlich lässt sich eine Kontrolle der Partnerwahl feststellen. Bei Kafka erfolgte diese durch direkte Einmischung des Vaters, bei Gregor indirekt. Gregors aufgezwungener Beruf hat ihm die Möglichkeit genommen, Partnerschaften einzugehen.


1.4. Charakterisierung Schwester (Grete Samsa)


Die Schwester von Gregor ist 17 Jahre alt und heißt „Grete Samsa”, wird aber zumeist nur als „Schwester” bezeichnet. Sie spielt Violine und wird von den Eltern behätschelt und umsorgt, geradezu wie ein Kind behandelt. Dementsprechend arbeitet sie auch am Anfang nicht.

Nach Gregors Verwandlung ist sie die einzige, die sich noch wirklich fürsorgleich gegenüber ihm verhält. Sie traut sich in sein Zimmer und bringt ihm Essen. Dadurch erlangt sie eine verantwortungsvolle Position und die Eltern werden von ihr abhängig. Es ist allerdings nicht völlig klar, ob sie dies nur in der Hoffnung tut, dass Gregor dadurch wieder normal wird und sie so ihr bisheriges, angenehmes Leben weiterführen kann (sprich: ob sie es aus rein egoistischen Gründen tut), oder ob sie aus echter Zuneigung zu Gregor handelt (also altruistisch). Erkennbar ist jedenfalls, dass auch sie sich offenbar vor seinem neuen Äußeren ekelt, denn ihre Besuche in seinem Zimmer sind immer von deutlicher Eile geprägt. Sie ist es auch, die vorschlägt, seine Möbel aus dem Zimmer zu holen, was ihn letztlich als nicht-menschlich abstempelt.

Nichtsdestotrotz gewinnt sie aber durch ihr Verhalten gegenüber Gregor an Einfluss in der Familie und wird nicht mehr so sehr wie ein Kind behandelt. Dies ist auch nicht zuletzt daran erkennbar, dass sie einen Beruf (Verkäuferin) annimmt und dass sie Französisch und Stenographie erlernt (Stenographie: Das handschriftliche Mitschreiben von in normalem Tempo vorgetragener Sprache, z.B. im Parlament).

Gegen Ende der Erzählung wechselt sie – aus Gregors Sicht sehr plötzlich – die Seiten und ist die erste, die offen ausspricht, was alle denken: Gregor muss endlich verschwinden! Sie bezeichnet Gregor sogar nur noch als „es” und gibt dadurch unmissverständlichen zu verstehen, dass sie ihn nicht mehr für einen Menschen hält. Gregor trifft dieser „Verrat” schwer und noch in der selben Nacht stirbt er.
Beim kurz darauf folgenden idyllischen Ausflug der Familie stellen ihre Eltern fest, dass sie sich zu einer attraktiven jungen Frau entwickelt hat und hoffen bereits auf einen baldigen Partner für sie (etwas was Gregor nie genießen durfte). Damit ist ihre Kindheit endgültig abgeschlossen.

Gretes Motive bleiben aber unklar. Hat sie Gregor nur umsorgt, damit dieser wieder Geld einbringt? Hat sie sich nur um ihn gekümmert, um mehr Einfluss in der Familie zu erlangen? Kurz: Hat sie nur aus purem Egoismus gehandelt? Ihr recht fürsorgliches Verhalten am Anfang könnte man zwar auf einen guten Charakter zurückführen. Aber warum war sie dann am Ende die erste – sogar noch vor dem Vater – die Gregor aufgab und ihn nur noch als „es” bezeichnete? Wieso hat auch sie seinen Anblick so sehr gemieden?

Gregors Schwester erinnert etwas an Kafkas Schwester Ottla, die lange Zeit seine Verbündete gegen den Vater war und dann urplötzlich die Seiten wechselte, was Kafka persönlich äußerst schwer traf. Später normalisierte sich die Beziehung aber wieder. Dennoch schrieb er das Werk „Die Verwandlung” genau in dem Jahr, in dem auch der „Verrat” durch seine Schwester stattfand.


1.5. Charakterisierung Mutter


Gregors Mutter zeigt nach der Verwandlung ihres Sohnes Sorge um diesen. Immer wieder versucht sie sich für ihn einzusetzen. Trotzdem ist sie keine große Hilfe für Gregor, da sie vom Vater abhängig und gegenüber diesem eine außerordentlich schwache Position hat. Ihre Versuche, Gregor beizustehen, wirken auch eher recht halbherzig. So wünscht sie zwar ihren Sohn zu sehen, fällt aber gleichzeitig jedes Mal in Ohnmacht wenn sie ihn erblickt. Durch ihre Ohnmachtsanfälle beraubt sie sich jeder Einflussmöglichkeit. Diese sind ein Symbol für ihre Machtlosigkeit – aber auch eine Möglichkeit, sich vor der Realität zu drücken. Durch die Bewusstlosigkeit kann sie sich den unangenehmen Anblick ersparen und muss erst gar nicht darüber nachdenken, was zu dieser Entwicklung geführt haben könnte.

So ist es auch nicht ganz zu bestreiten, dass die Mutter bereits vor der Verwandlung Gregors ihm keine Verbündete war. Sie wusste kaum, was im Inneren ihres eigenen Sohnes vorging. So hat sie offenbar geglaubt, dass dieser seinen Beruf liebt und nur an diesen denken kann. Nur deshalb, so denkt sie, habe er auch keine Zeit abends auszugehen und eine mögliche Partnerin zu finden. Als Leser weiß man jedoch, dass Gregor in Wahrheit immer seinen Job gehasst hat, aber keine andere Wahl hatte als diesen auszuüben, um die Familie durchzubringen (bzw. machte man ihn glauben, dass er die Familie alleine durchbringen muss). Auch an einer Partnerin hatte er offensichtlich durchaus Interesse, aber aufgrund des notwendigen Arbeitspensums fand er keine Gelegenheit dafür. Die Mutter hat all das offensichtlich nicht bemerkt. In typisch patriarchalischer Manier hat sie hat das Denken lieber dem Vater überlassen.

Nach einer anfänglich geschwächten Position steigt sie am Ende wieder zu einer vollwertigen Mutter auf, nachdem die Familie auf die Konstellation Vater-Mutter-Tochter begrenzt wurde.


1.6. Charakterisierung Prokurist


Der Prokurist ist der Vorgesetzte Gregors. Er steht stellvertretend für die Arbeitgeberschaft bzw. die vermögende Schicht und damit auch gleichzeitig für einen Teil der Machthaber. Dementsprechend ist auch der Prokurist mit Macht gesegnet. Gregor und sein Vater haben dies verstanden, daher unterwerfen sie sich beide ihm. Gerade bei Gregors Vater ist dies auffällig, da dieser die Machtposition innerhalb der Familie inne hat und somit ein Kontrast zwischen Macht innerhalb der Familie (hier ist der Vater der Herrscher) und Macht außerhalb der Familie (hier ist der Vater der Unterwürfige) entsteht.

Es ist hervorstechend am Verhalten des Prokurist, dass er bei der ersten Verspätung Gregors in mehreren Jahren sofort an dessen Haustür steht und ihm vorwirft, absichtlich und unbegründet fehlen zu wollen („blau zu machen”), ohne sich überhaupt nach möglichen Gründen für das Fehlen zu erkundigen. Damit bricht er durch das Erscheinen an seiner Haustür nicht nur in die Privatsphäre Gregors ein, sondern macht auch klar, dass er die Macht hat, sowie praktisch keinen Grund für ein Fehlen akzeptiert und ohnehin immer nur das schlimmste von seinen Untergebenen denkt. Man fühlt sich ein wenig an Sklaverei erinnert und kann auch verstehen, weshalb Gregor seinen Beruf und seinen Vorgesetzten so sehr hasst.
Offensichtlich zeichnet sich der Prokurist vor allem durch seine Macht, durch seine Gier und durch seine Unmenschlichkeit aus.

Gerade dieses Machtgefälle verschiebt sich aber spontan mit Gregors Erscheinen. Auf einmal muss der Prokurist realisieren, dass er keine Macht mehr über Gregor hat, da dieser nicht mehr ein normales Mitglied der Gesellschaft ist. Der Prokurist flieht. Er flieht aber nicht nur vor seinem Machtverlust und vor Gregors erschreckendem Aussehen, er flieht auch vor seiner eigenen Verantwortung. Denn der Prokurist trägt letztlich durch sein tyrannisches Verhalten gegenüber Gregor eine Mitschuld an dessen Verwandlung.

Unterschwellig lässt sich daher eine Kritik an der vermögenden Schicht ausmachen: Erst werden die Menschen ausgebeutet und wenn dann die Probleme auftauchen, drückt man sich lieber vor der Verantwortung.


1.7. Charakterisierung Untermieter


Die Untermieter sind drei Herren die äußerlich und vom Verhalten her kaum voneinander zu unterscheiden sind. Man mag sie gar als „Klone” bezeichnen. Durch ihr gemeinsames Auftreten gewinnen sie Macht (Kollektiv vs. Individuum).
Beim Anblick Gregors beschweren sie sich über die hygienischen Verhältnisse im Haus und kündigen das Mietverhältnis.
Dementsprechend kann man die Untermieter mit der Gesellschaft vergleichen, die ebenfalls ein Kollektiv ist und typischerweise Personen mit Problemen wie Gregor sie hat meidet. Die Ursachen für die Probleme will man eigentlich auch gar nicht wissen.

Kommentare (189)

Von neu nach alt
lak tobias nerv nicht
yakelb
nussret vel hakim (Gast) #
Grammatikfehler wird zusammen geschrieben!

Liebe Grüße Tobias
tobias (Gast) #
Lieber Bruder hassan al bekir abu hamza youssef du hast leider einen Grammatik fehler in deinen Satz
Möge Allah dich beschützen
mustafa al bekir (Gast) #
selamunaleykum liebe Geschwister im Islam,

wir haben uns hier versammelt damit wir die personenkonstellation des Buches die Verwandlung zu verstehen.

aleykumselam
Allah soll euch beschützen
hassan al bekir abu hamza youssef (Gast) #
Von einem kleinen Vertipper abgesehen - keine schlechte Quelle!!
ArnoNuehm (Gast) #
Ich hab den längsten 0^0
GeilerHengst69 (Gast) #
Valar Morghulis
a girl is no one (Gast) #
"Der Steinadler (Aquila chrysaetos) ist eine große Greifvogelart innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Steinadler besiedeln offene und halboffene Landschaften in der gesamten Holarktis. Sie ernähren sich meist von mittelgroßen, bodenbewohnenden Säugern. Die Art war früher in Europa weit verbreitet, wurde aber systematisch verfolgt, so dass sie heute in vielen Teilen Europas nur noch in Gebirgsgegenden vorkommt. In Deutschland brüten Steinadler nur noch in den Alpen."

Quelle: nicht Wikipedia
CockSagHa (Gast) #
w h a t i s g o i n g o n ?
da little lulka (Gast) #
eine sehr gute darstellung
ArnoNuehm (Gast) #