Macbeth (Thema: Macbeth)

Die Merkmale der Person "Macbeth" aus Shakespeares gleichnamigen Werk

Schnellübersicht
  • Macbeth macht einen Wandel im Drama durch.
  • Zu Anfang: tapfer, mutig, geschickter Kommandeur, loyal
    Mitte: skrupellos, hinterhältig, zunehmend brutaler, paranoid/lebt in ständiger Angst
    Am Ende: brutal, unfreundlich, isoliert, ohne Lebensmut (teils nihilistisch)
  • beständig: übermäßiger Ehrgeiz, beeinflussbar, Glaube an Übernatürliches
  • Ehrgeiz wird durch die Hexen aktiviert (Prophezeiungen)
  • Macbeth ermordet Duncan und gerät dadurch in einen Teufelskreis → weitere Morde um vorherige Morde zu vertuschen.
  • Macbeth stirbt am Ende des Dramas im Kampf gegen Macduff.


Macbeth ist die Haupt- und Titelperson des Dramas. Er tritt zu Anfang nicht selbst auf, sondern wird ausschließlich von anderen beschrieben. Vergleicht man diese Beschreibungen mit dem späteren Charakter Macbeths, dann kann man erkennen, dass seine Persönlichkeit einen Wandel durchmacht.

Zitat: Akt 1, Szene 2, Vers 15f
Captain:

But all`s too weak,
For brave Macbeth

Zitat: Akt 1, Szene 2, Vers 24 (über Macbeth)
Duncan:

O valiant cousin, worthy gentleman.

Macbeth wird in diesem ersten Teil als tapferer Kommandeur der schottischen Armee dargestellt. Er wird als mutig beschrieben und soll derjenige sein, der aufgrund seiner Entschlossenheit und seinem kriegerischen Geschick der schottischen Armee zum Sieg gegen die Norweger und die Rebellen verholfen hat. Besonders auffällig ist auch sein Umgehen mit dem Verräter Macdonwald (ein schottischer Edelmann):

Zitat: Akt 1, Szene 2, Vers 20ff
Captain:

Till he faced the slave,
Which ne`er shook hands, nor bade farewell to him,
Till he unseamed him from the nave to th`chaps
And fixed his head upon our battlements.

(Er hat keine Ruhe gefunden, bis er dem Verräter Auge in Auge gegenüberstand. Er hat ihm keinen Abschied gewünscht, sondern direkt den ganzen Körper durchsäbelt. Den Kopf des Verräters hat er auf den Mauern seines Lagers befestigen lassen.)

Dieses gegenüber dem Verräter aggressive und damit gegenüber dem König loyale Verhalten steht im starken Gegensatz zu seinem eigenen Verhalten im späteren Verlauf des Dramas - er wird selbst zu einem wesentlich schlimmeren Verräter. Dadurch wird seine Veränderung, genauso wie die Ausmaße der Einflussnahme der drei Hexen und des Bösen auf ihn stärker betont. Macbeth selbst hat es schließlich zu diesem Zeitpunkt nicht geplant, ein Verräter zu werden.
Erst mit Auftreten der Hexen, die seine Schwächen ausnutzen, ändert sich dies. Macbeth ist beeinflussbar. Insbesondere gegenüber allen Formen des Übernatürlichen zeigt er sich aufgeschlossen. Mit ihren Prophezeiungen missbrauchen sie diese Eigenschaften, um zu einem seiner Charaktermerkmale durchzudringen: zu seinem übermäßigen Ehrgeiz. Sie entfachen diesen Ehrgeiz mit ihren Prophezeiungen, die ihm die höchste Position in der sozialen Hierarchie verkünden. Durch seine Aufgeschlossenheit gegenüber dieser mystischen Welt vertraut Macbeth den Hexen nahezu blind, was im Gegensatz zu Banquos Verhalten steht. Dieser zweifelt an den Aussagen der Hexen und warnt sogar vor ihnen:

Zitat: Akt 1, Szene 3, Vers 122f
Banquo:

And oftentimes, to win us to our harm,
The instruments of darkness tell us truths;

Macbeths charakterliche Veränderung hat aber zu diesem Zeitpunkt bereits angefangen. Er ist besessen von der Idee König zu werden.

Zitat: Akt 1, Szene 3, Vers 116f
Macbeth (Aside):

Glamis, and Thane of Cawdor:
The greatest is behind.

Macbeth hat auch bereits zu diesem Zeitpunkt erste Mordgedanken:

Zitat: Akt 1, Szene 3, Vers 133ff
Macbeth:

why do I yield to that suggestion,
Whose horrid image doth unfix my hair
And make my seated heart knock at my ribs
Against the use of nature?

An dieser Stelle kann der Leser bzw. der Zuschauer auch deutlich den Wechsel Macbeths von Gut zu Böse erkennen. Macbeth wurde zu Anfang des Dramas als ausschließlich gut beschrieben. Die Hexen haben einen Wandel angestoßen, der sich hier durch widersprüchliche Gedanken äußert: Einerseits hat Macbeth Mordgedanken, andererseits ist er aber auch über diese zutiefst erschrocken.
Weiterhin kann man erkennen, dass Macbeth eine ausgeprägte Vorstellungskraft besitzt. Zum einen an dem bereits genannten Zitat - allein die Vorstellung des Mordes erzeugt bei ihm eine starke körperliche Reaktion - zum anderen aber auch an seiner direkt folgenden Aussage:

Zitat: Akt 1, Szene 3, Vers 136f
Macbeth:

Present fears
Are less than horrible imaginings.

Einen weiteren Hinweis kann man im Monolog vor dem Mord an Duncan finden:

Zitat: Akt 2, Szene 1, Vers 49ff
Macbeth:

Now o`er the one half-world
Nature seems dead, and wicked dreams abuse
The curtained sleep.

Seine Vorstellungskraft äußert sich aber auch in dem eingebildeten fliegenden und blutigen Dolch (vor dem Mord an Duncan), sowie in der Erscheinung des Geistes von Banquo.
Macbeth zeigt zusätzlich eine weitere Eigenschaft, die den anderen Charakteren im Drama weitestgehend verwehrt bleibt: Er ist fähig zur Selbstreflexion, zur Analyse seiner eigenen Taten. Dies wird besonders deutlich im Monolog vor seinem Streit mit Lady Macbeth. Hier ist er sich bewusst, dass er den Mord an Duncan plant und versucht seine eigenen Gründe zu hinterfragen. Er kommt zum Schluss, dass sein einziges Motiv für den Mord sein Ehrgeiz sei.

Zitat: Akt 1, Szene 7, Vers 25ff
Macbeth:

I have no spur
To prick the sides of my intent, but only
Vaulting ambition which o`erleaps itself
And falls on th`other

Macbeth zeichnet sich außerdem durch seine Weitsichtigkeit aus. Bereits vor dem Mord wägt er die Konsequenzen und Risiken ab, was im Gegensatz zu Lady Macbeths Verhalten steht.

Zitat: Akt 1, Szene 7, Vers 1ff
Macbeth:

If it were done when `tis done, then `twere well
It were done quickly.
(...)
But in these cases,
We still have judgement here that we but teach
Bloody instructions, which being taught, return
To plague th`inventor.

Trotz dieser Eigenschaften lässt sich Macbeth aber davon überzeugen, den Mord an Duncan zu begehen. Damit stößt er einen fatalen Teufelskreis an. Einzig sein erster Mord an König Duncan diente dazu, sein eigentliches Ziel zu erreichen: Den Königsthron. Alle anderen Morde wurden nur verübt, um den ersten zu vertuschen bzw. um sich selbst zu schützen. Wieder begreift Macbeth diese Situation, sieht aber auch gleichzeitig keine Alternative, denn den Rückweg zu gehen erscheint ihm als genauso hoffnungslos.

Zitat: Akt 3, Szene 4, Vers 136ff
Macbeth:

I am in blood
Stepped so far that should I wade no more,
Returning were as tedious as go o`er.

Mit der steigenden Anzahl an Mordopfern wird Macbeth auch zunehmend abgestumpfter gegenüber Gewalt und dadurch auch zunehmend brutaler. Seinen Tiefpunkt erreicht er mit dem Massaker an Macduffs schutzloser Familie, die für ihn nicht einmal eine Gefahr darstellt.
Parallel zu der steigenden Anzahl an Verbrechen sinkt aber auch seine Stimmung. Auch wenn er sich durch die weiteren Prophezeiungen der Hexen unbesiegbar fühlt, verliert er trotzdem immer mehr seinen Lebensmut. Er beginnt bereits ab dem Mord an Duncan sich zu isolieren und mit seiner Frau wechselt er kaum noch ein Wort. Nach dem Tod Lady Macbeths resümiert er entrüstet:

Zitat: Akt 5, Szene 5, Vers 23ff
Macbeth:

Life`s but a walking shadow, a poor player
That struts and frets his hour upon the stage
And then is heard no more. It is a tale
Told by an idiot, full of sound and fury
Signifying nothing.

Er fühlt sich betrogen vom Schicksal, wie ein Spielball des Übernatürlichen.

Zitat: Akt 5, Szene 5, Vers 21f
Macbeth:

And all our yesterdays have lighted fools
The way to dusty death.

Am Ende des Dramas sehnt sich Macbeth nach seinem eigenen Tod:

Zitat: Akt 5, Szene 5, Vers 22
Macbeth:

Out, out, brief candle

Er erkennt endlich die Mehrdeutigkeit in den Prophezeiungen der Hexen und damit das Teuflische, vor dem ihm Banquo bereits am Anfang des Stücks gewarnt hat.

Zitat: Akt 5, Szene 5, Vers 41f
Macbeth:

I pull in resolution and begin
To doubt th`equivocation of the fiend
That lies like truth.

Schlussendlich stirbt Macbeth in etwa den Tod eines Kommandeurs, der er auch am Anfang des Dramas war: Als Krieger im Schwertkampf.
Macbeths Beeinflussbarkeit, sowie sein Ehrgeiz und die daraus resultierende Machtgier haben dafür gesorgt, dass er Duncan umgebracht hat, obwohl er sich der Konsequenzen dieser Tat bewusst war. Durch sein Verbrechen gegen die göttliche Ordnung hat er Chaos erzeugt und versucht, in diesem Chaos seine Macht durch noch mehr Morde zu sichern. Sein Versuch schlug fehl und die Strafe (bzw. Rache), die er bereits vor dem Mord gefürchtet hat, hat ihn tatsächlich heimgesucht.

Kommentare (3)

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Wir bitten um ihr Verständnis.
Ich finde der erste Akt zeigt in gewisser Weise schon, dass MacBeth eine gewaltsame bzw. skrupelose Ader hat und seine Verwandlung nicht von heute auf morgen kommt.
Wie er den Verräter umbringt und seinen Sieg danach "feiert" ist eine deutliches Indiz, dass er serwohl eine brutale Ader hat.
ArnoNuehm (Gast) #
Hey, die Charakterisierung ist sehr gut gelungen!

ABER: Ich finde nicht, dass z.B. das Erscheinen des Dolches etwas mit Vorstellungskraft von Macbeth zu tun hat sondern vielmehr mit seinem wachsenden Wahn, seiner Verzweiflung, seiner inneren Zerrissenheit, ob er den Mord begehen soll oder nicht. Vorstellungskraft macht für mich nicht wirklich Sinn. Ansonsten wie gesagt, überaus gut gelungen!
Matthias (Gast) #
\"Glamis, and Thane of Cawdor:

The greatest is behind.\"

steht nicht Akt 1, Szene 3, Vers 134f, sondern Akt 1, Szene 3, Vers 116f

aber ansonsten ist alles sehr gut
guesto (Gast) #
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