1. Julius 1771 (Thema: Die Leiden des jungen Werther)

Inhaltsangabe zum Brief vom 1. Juli 1771 aus Goethes Werther

Schnellübersicht
  • Werther ist unglücklich: Eine alte Frau bat Lotte darum, in ihren letzten Tagen bei ihr zu sein. Werther ist derzeit also allein.
  • Werther berichtet davon, wie er und Lotte einen alten Pfarrer besucht haben.
  • Der Pfarrer freute sich sehr über Lottes Besuch und wurde trotz seines Alters ganz munter.
  • Werther lobte zwei schöne Nussbäume an der Kirche (Sturm und Drang -> schöne Natur). Der Pfarrer erzählte, wie alt diese seien (der Jüngste so alt wie die Frau des Pfarrers).
  • Die Tochter des Pfarrers kam mit ihrem Liebhaber von einem Spaziergang zurück.
  • Sie redeten etwas miteinander und gingen spazieren, Lotte versuchte den etwas schweigsamen Liebhaber der Pfarrerstochter ins Gespräch einzubinden.
  • Laut Werther war die Schweigsamkeit auf Egoismus (Eigensinn) zurückzuführen. Werther störte dies.
  • Beim Abendessen behauptete Werther dann, dass die Menschen sich zu oft über den Tag beklagen würden. Würde man mit offenen Herzen des Gute genießen, dann würde man auch das Schlechte besser ertragen können, so stellte er fest.
  • Lotte bestätigte Werther in seiner Meinung.
  • Die Pfarrerstochter warf ein, dass man nicht völlige Kontrolle über sich selbst habe. Werther meinte daraufhin, dass man trotzdem versuchen müsse das Gute im Leben zu sehen.
  • Werther bemängelte noch Sarkasmus/Zynismus und ließ einiges Blabla über das Schöne im Leben ab, welches man genießen müsse. Lotte und die Pfarrerstochter waren tief bewegt.
  • Werther äußerte sich sehr negativ, über Menschen, die andere in ihrem Glück beschränken (an irgendeine vergangene Szene erinnert er sich dabei, es wird aber nicht gesagt an welche).
  • Werther und Lotte gingen danach wieder nach Hause.



1. Anmerkungen


  • Die Pfarrerstochter wird Friederike genannt, deren Liebhaber "Herr Schmidt".
  • Lotte wird hier als liebevolle und auch allseits gern gesehene Frau dargestellt. Die alte Frau wollte Lotte in ihren letzten Stunden bei sich haben, der Pfarrer war ganz begeistert Lotte zu sehen und Lotte versuchte den Liebhaber der Pfarrerstochter ins Gespräch einzubinden.
  • Auffällig ist Lottes und Werthers Übereinstimmung darin, dass man das Leben und jeden einzelnen Tag genießen sollte. Gegebenenfalls sollte man bewusst versuchen, schlechte Gedanken zu verdrängen bzw. sich selbst aufzumuntern.



2. wichtige Textstellen


Zitat: 1.Julius 1771
Sie wird einige Tage in der Stadt bei einer rechtschaffnen Frau zubringen,
die sich nach der Aussage der Ärzte ihrem Ende naht
und in diesen letzten Augenblicken Lotten um sich haben will.

(...)

saß der gute alte Mann auf einer Bank vor der Haustür,
und da er Lotten sah, ward er wie neu belebt

(...)

Du hättest sie sehen sollen, wie sie den Alten beschäftigte,
wie sie ihre Stimme erhob, um seinen halb tauben Ohren vernehmlich zu werden,
wie sie ihm von jungen, robusten Leuten erzählte, die unvermutet gestorben wären,
von der Vortrefflichkeit des Karlsbades, und wie sie seinen Entschluß lobte,
künftigen Sommer hinzugehen, wie sie fand, daß er viel besser aussähe,
viel munterer sei als das letztemal, da sie ihn gesehn.

(...)

ein feiner, doch stiller Mensch, der sich nicht in unsere Gespräche
mischen wollte, ob ihn gleich Lotte immer hereinzog.


Grob: Alle lieben Lotte, bzw. Lotte ist zu allen lieb.

Zitat: 1.Julius 1771
Wenn wir immer ein offenes Herz hätten, das Gute zu genießen,
das uns Gott für jeden Tag bereitet, wir würden alsdann auch Kraft genug haben,
das Übel zu tragen, wenn es kommt.

Dies gilt aber für Werther selbst offensichtlich nicht.
Er genießt zwar die Tage mit Lotte, kaum dass sie ihn aber zurückweist, wird er todunglücklich und erschießt sich selbst.

Zitat: 1.Julius 1771
(...) "das war's, was ich sagen wollte,"versetzte ich,"es ist mit der üblen Laune völlig wie mit der Trägheit,
denn es ist eine Art von Trägheit. Unsere Natur hängt sehr dahin,
und doch, wenn wir nur einmal die Kraft haben, uns zu ermannen,
geht uns die Arbeit frisch von der Hand, und wir finden
in der Tätigkeit ein wahres Vergnügen"

Das ist etwas was Werther später ganz und gar nicht gelingen wird.

Zitat: 1.Julius 1771
Und wie sie mich auf dem Wege schalt über
den zu warmen Anteil an allem, und daß ich drüber zugrunde gehen würde!

Hinweis auf den weiteren Verlauf des Stücks.

Kommentare (2)

Von neu nach alt
Zitat: Werther äußerte sich sehr negativ, über Menschen, die andere in ihrem Glück beschränken (an irgendeine vergangene Szene erinnert er sich dabei, es wird aber nicht gesagt an welche).



Diese Textstelle bezieht sich auf den Verlust einer Jugendfreundin, den er im Brief vom 17.05.1771 erwähnt.
Volker (Gast) #
in dem "blabla", beschreibt werther seine abneigung gegenüber menschen welche durch zynismus oder ironie, aber auch durch beleidigende witze oder späße auf kosten anderer, deren glück nimmt und somit etwas für ihn wichtiges zerstört. kurz gesagt, werther war ein feind des "mobbing".
ArnoNuehm (Gast) #